DIN EN 13779

Die DIN EN 13779 ist eine europäische Norm, die Anforderungen an Lüftungs- und Klimaanlagen in Nichtwohngebäuden definiert. Sie legt Richtlinien für die Raumluftqualität, den Energieverbrauch und die Geräuschentwicklung fest. Ziel der Norm ist es, ein gesundes und angenehmes Raumklima zu gewährleisten, ohne unnötig viel Energie zu verbrauchen. Die Norm berücksichtigt sowohl den Außenluftzustand als auch die Anforderungen der Nutzer und spielt eine wichtige Rolle bei der Planung energieeffizienter Lüftungssysteme. Sie unterstützt Ingenieure und Planer bei der Gestaltung moderner, energiesparender Gebäudetechnik.

DIN EN 13779: Anforderungen an Lüftungs- und Klimaanlagen in Nichtwohngebäuden

Die DIN EN 13779 ist eine der zentralen europäischen Normen im Bereich der technischen Gebäudeausrüstung, wenn es um die Planung und den Betrieb von Lüftungs- und Klimaanlagen in Nichtwohngebäuden geht. Sie definiert Anforderungen an die Raumluftqualität (IAQ – Indoor Air Quality), den thermischen Komfort sowie den Energieverbrauch von raumlufttechnischen Anlagen (RLT-Anlagen).

 

Für Unternehmen, Planer und Betreiber bietet die Norm eine wichtige Grundlage, um sowohl gesetzliche Anforderungen zu erfüllen als auch wirtschaftliche und energetische Optimierungsziele zu erreichen.

 

Geltungsbereich der DIN EN 13779

Die Norm richtet sich speziell an Nichtwohngebäude wie:

 

  • Büro- und Verwaltungsgebäude
  • Schulen und Hochschulen
  • Hotels
  • Verkaufsstätten
  • Versammlungsstätten
  • Krankenhäuser (teilweise)

 

Sie behandelt ausschließlich den Aufenthaltsbereich von Personen (also nicht Lager oder Technikräume) und bezieht sich auf mechanische, hybride und natürliche Lüftungssysteme.

 

Wohngebäude sind explizit ausgeschlossen.

 

Hinweis zur Abgrenzung Produktionsbereiche: Die Anforderungen der DIN EN 13779 gelten auch für Produktionsstätten, soweit es sich um Aufenthaltsbereiche von Personen handelt. In Bereichen, in denen der Luftwechsel primär prozesstechnischen Zwecken dient (z. B. zur Emissionskontrolle, Abluft von Maschinen), sind ergänzend andere Regelwerke maßgeblich.

 

Hinweis zur Abgrenzung zu Arbeitsstättenrichtlinien (ASR): Während die DIN EN 13779 den Stand der Technik für die Planung und Auslegung raumlufttechnischer Anlagen definiert, sind die Arbeitsstättenrichtlinien (ASR A3.5, A3.6) unmittelbar rechtsverbindlich, wenn es um Anforderungen an das Raumklima, Luftwechselraten oder gesundheitliche Mindeststandards in Arbeitsräumen geht. Die ASR legen beispielsweise Mindesttemperaturen je nach Tätigkeit fest. Bei der Planung und dem Betrieb von Lüftungsanlagen müssen daher immer sowohl DIN EN 13779 als auch die entsprechenden ASR berücksichtigt werden. Die ASR geben die Anforderungen aus dem Arbeitsschutzgesetz konkret vor, während die DIN EN 13779 Empfehlungen zur technischen Umsetzung liefert.

 

Zielsetzung der Norm: Raumklima und Energieeffizienz im Einklang

Die DIN EN 13779 verfolgt das Ziel, einen angemessenen Komfort für Personen und einen hygienisch einwandfreien Luftaustausch sicherzustellen. Gleichzeitig soll der Energiebedarf der Anlagen auf das notwendige Maß begrenzt werden.

 

Wesentliche Inhalte der Norm:

1. Qualitätsstufen für Raumluftqualität (IDA-Klassen) 2. Anforderungen an thermischen Komfort (Temperatur, Feuchte, Luftgeschwindigkeit) 3. Vorgaben für Energieeffizienz und Energieeinsparung 4. Empfehlungen für die Auslegung von Lüftungsanlagen 5. Hinweise zu Betrieb und Instandhaltung

 

Raumluftqualität (IDA-Klassen) im Mittelpunkt

Ein Kernaspekt der DIN EN 13779 ist die Definition von Luftqualitätsstufen (Indoor Air Quality, IAQ). Dabei wird unterschieden, welche Qualität die zugeführte Frischluft erfüllen muss, um ein gesundes und komfortables Raumklima sicherzustellen.

 

IDA-KlasseLuftqualitätCO₂-Konzentration über Außenluft (ppm)
IDA 1Sehr hohe Luftqualität< 400 ppm
IDA 2Hohe Luftqualität400 – 600 ppm
IDA 3Mittlere Luftqualität600 – 1.000 ppm
IDA 4Niedrige Luftqualität (nicht empfohlen)> 1.000 ppm

Für die meisten Bürogebäude wird IDA 2 oder 3 empfohlen. IDA 1 kommt nur in besonders sensiblen Bereichen wie Reinräumen oder hochwertigen Schulungszentren infrage.

 

Anforderungen an Komfortparameter

Neben der Luftqualität berücksichtigt die Norm auch Aspekte des thermischen Komforts:

 

  • Temperaturbereiche je nach Jahreszeit
  • **Relative Luftfeuchte (idealer Bereich: 40–60 %) **
  • Luftgeschwindigkeit zur Vermeidung von Zugerscheinungen (meist < 0,2 m/s im Aufenthaltsbereich)

 

Ziel ist es, sowohl das Wohlbefinden der Nutzer als auch die Produktivität am Arbeitsplatz zu sichern.

 

Energieeffizienz: Ein fester Bestandteil der Norm

Ein zentrales Anliegen der DIN EN 13779 ist, dass Lüftungs- und Klimaanlagen mit möglichst geringem Energieeinsatz betrieben werden. Daher gibt sie Empfehlungen für:

 

  • Minimierung des Druckverlustes im Netz (Leitungsführung, Dimensionierung)
  • Einsatz effizienter Ventilatoren mit bedarfsgerechter Regelung
  • Rückgewinnung der in der Abluft enthaltenen Wärmeenergie (Wärmetauscher, Wärmepumpen)
  • Anforderungsgerechte Steuerung nach CO₂, Feuchte oder VOC (bedarfsgeführte Lüftung)

 

Hinweis: Die Norm ist zwar technisch orientiert, aber nicht zwingend rechtsverbindlich. Sie dient jedoch als allgemein anerkannter Stand der Technik und wird in Genehmigungsverfahren regelmäßig herangezogen.

 

Verbindung zu weiteren Normen und Regelwerken

Die DIN EN 13779 ist eng verknüpft mit weiteren Normen und Richtlinien, beispielsweise:

 

  • DIN EN 15251 / EN 16798-1 (Nachfolgenorm, präzisiert Komfortparameter)
  • DIN 1946-6 (Wohngebäude-Lüftung)
  • VDI 6022 (Hygieneanforderungen RLT-Anlagen)
  • ISO 50001 / EN ISO 11011 (Energiemanagement, Druckluftsysteme)
  • Gebäudeenergiegesetz (GEG): Indirekt durch Einfluss auf Primärenergiebedarf

 

Inzwischen wird die DIN EN 13779 teilweise durch die EN 16798 abgelöst. Dennoch bleibt sie vielfach in Ausschreibungen, Planungsunterlagen und Bestandsobjekten als Planungsgrundlage relevant.

 

Praktische Auswirkungen für Unternehmen und Betreiber

Warum sich Unternehmen mit der DIN EN 13779 befassen sollten:

✅ Sicherstellung hygienischer Raumluftqualität ✅ Vermeidung von Komfortbeschwerden und Produktivitätseinbußen ✅ Optimierung der Betriebskosten durch energieeffiziente Anlagen ✅ Unterstützung von Zertifizierungen (DGNB, BREEAM, LEED) ✅ Vermeidung von Haftungsrisiken (Arbeitsstättenverordnung, Arbeitsschutzgesetz)

 

Typische Anforderungen in der Praxis:

  • Raumluftqualitätsmessungen (CO₂, VOC)
  • Energetische Inspektionen gemäß GEG
  • Nachweise für Fördermittel (BAFA, KfW)
  • Betriebsoptimierung von RLT-Anlagen (Lastmanagement, Wärmerückgewinnung)

 

Wirtschaftliche Potenziale durch energieeffiziente RLT-Anlagen

RLT-Anlagen gehören zu den größten Stromverbrauchern in Nichtwohngebäuden. Durch bedarfsgerechte Steuerung, Wärmerückgewinnung und effiziente Ventilatortechnik lassen sich Energieverbräuche um 30–50 % reduzieren.

 

Beispiel:

 

  • Bürogebäude mit 10.000 m² Nutzfläche
  • Energiekosten RLT: 80.000 €/Jahr
  • Einsparpotenzial durch Optimierung: 25.000 – 40.000 €/Jahr
  • Amortisation typischer Maßnahmen: 2–4 Jahre

 

Kritische Einordnung: Norm als Orientierungs-, nicht als Pflichtinstrument

Die DIN EN 13779 bietet Planern, Bauherren und Betreibern eine verlässliche Orientierung. Sie ist jedoch keine gesetzlich verpflichtende Vorschrift, sondern ein fachlicher Standard. Je nach Projekt, Region oder Förderprogramm können neuere Normen (EN 16798) bevorzugt werden.

 

Fazit: DIN EN 13779 bleibt relevant für Planung und Betrieb energieeffizienter RLT-Anlagen

Auch wenn die EN 16798 Teile der DIN EN 13779 abgelöst hat, bleibt sie in vielen Planungen, Bestandsgebäuden und Förderprogrammen von Bedeutung. Für Unternehmen, die Effizienz, Raumkomfort und Hygiene in Einklang bringen wollen, ist sie ein unverzichtbares Werkzeug. Durch die Kombination technischer und energetischer Anforderungen unterstützt sie maßgeblich dabei, Betriebskosten zu senken, CO₂-Emissionen zu reduzieren und moderne Arbeitsumgebungen zu schaffen.

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