Energieverbrauchskennwert

Der Energieverbrauchskennwert gibt an, wie viel Energie ein Gebäude oder eine Anlage in einem definierten Zeitraum verbraucht hat. Dieser Wert wird oft in Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr (kWh/m²a) angegeben und dient als Vergleichsgröße für die Energieeffizienz verschiedener Gebäude. Der Energieverbrauchskennwert berücksichtigt den tatsächlichen Energieverbrauch, im Gegensatz zum Energiebedarfsausweis, der auf theoretischen Berechnungen basiert. Ein niedriger Kennwert weist auf ein energieeffizientes Gebäude hin, während ein hoher Wert auf energetische Verbesserungsmaßnahmen hindeutet.

Energieverbrauchskennwert: Bedeutung, Berechnung und Anwendung

Der Energieverbrauchskennwert ist eine zentrale Kennziffer im Bereich der Energieeffizienz von Gebäuden, insbesondere bei Nichtwohngebäuden wie Verwaltungsbauten, Produktionsstätten oder öffentlichen Einrichtungen. Er beschreibt den tatsächlich gemessenen Energieverbrauch eines Gebäudes, normiert auf die Nutzfläche, in der Regel in Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr (kWh/m²a). Im Gegensatz zum berechneten Energiebedarf liefert der Energieverbrauchskennwert eine reale, belegbare Grundlage für Vergleiche und Optimierungen.

 

Warum ist der Energieverbrauchskennwert wichtig?

Der Energieverbrauchskennwert dient:

 

  • als Vergleichsgröße für die energetische Qualität eines Gebäudes im Bestand,
  • zur Einordnung der Energieeffizienz im Benchmarking mit ähnlichen Gebäuden oder Branchen,
  • als Grundlage für Modernisierungsentscheidungen,
  • als Kriterium in Umwelt- und Nachhaltigkeitszertifizierungen (z.B. DGNB, LEED, BREEAM),
  • für den Nachweis von Erfolgen im Energiemanagement nach ISO 50001.

 

Er macht den tatsächlichen Energieverbrauch transparent und bietet damit eine realistische Entscheidungsgrundlage für Investitionen in Effizienzmaßnahmen.

 

Was unterscheidet den Energieverbrauchskennwert vom Energiebedarf?

KriteriumEnergieverbrauchskennwertEnergiebedarf
BasisTatsächlicher VerbrauchTheoretische Berechnung
EinflussNutzerverhalten, Wetter, BetriebBauphysik, Technik, Normbedingungen
Aussagekraft für BetriebHochEingeschränkt
AnwendungMonitoring, Optimierung, NachweisPlanung, Fördermittel, Neubau

Der Verbrauchskennwert zeigt, wie das Gebäude im tatsächlichen Betrieb funktioniert, während der Energiebedarf auf normierten Annahmen und idealisierten Nutzungsprofilen basiert.

 

Wie wird der Energieverbrauchskennwert berechnet?

Die Berechnung erfolgt auf Basis der gemessenen Verbräuche:

 

Energieverbrauchskennwert = Gesamtverbrauch (kWh) / beheizte oder klimatisierte Nettogrundfläche (m²)

 

Wichtig ist eine saubere Abgrenzung der Verbräuche:

 

  • Wärme (Heizung, ggf. Warmwasser)
  • Kälte (Kühlung)
  • Strom (Beleuchtung, Anlagen, IT)

 

Oft werden separate Kennwerte für die einzelnen Energieträger angegeben. Für Vergleichszwecke kann der Verbrauch auch in kWh Primärenergie oder in CO₂-Äquivalente umgerechnet werden.

 

Praxisbeispiele für typische Verbrauchskennwerte

GebäudetypGuter Wert (kWh/m²a)Verbesserungswürdig (kWh/m²a)
Bürogebäude100 – 150> 200
Verwaltungsgebäude120 – 180> 220
Schulen / Hochschulen120 – 200> 250
Produktionshallen60 – 120 (je nach Prozess)> 150

Diese Werte dienen nur der groben Orientierung. Nutzungsprofile und klimatische Bedingungen haben erheblichen Einfluss.

 

Wo wird der Energieverbrauchskennwert genutzt?

1. Energieausweis (Verbrauchsausweis)

Im Verbrauchsausweis für bestehende Gebäude wird der Energieverbrauchskennwert prominent ausgewiesen. Grundlage sind die Verbrauchsdaten der letzten drei Jahre.

 

2. Energiemanagement / Monitoring

Unternehmen mit zertifiziertem Energiemanagement nach ISO 50001 verwenden Verbrauchskennwerte als Basis für Ziele, Maßnahmen und Erfolgskontrolle.

 

3. Förderprogramme

Einige Programme, etwa der BAFA-Förderung für Energieberatung oder die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG), fordern Nachweise über Verbräuche oder deren Reduktion.

 

4. Umwelt- und Nachhaltigkeitsberichte

Der Kennwert ist Bestandteil vieler ESG-Berichte (Environmental, Social, Governance) und von Nachhaltigkeitszertifikaten (DGNB, LEED, BREEAM).

 

Gesetzliche Anforderungen und Normen

Gebäudeenergiegesetz (GEG)

Für Energieausweise von Bestandsgebäuden kann der Verbrauchsausweis auf Basis des Energieverbrauchskennwerts erstellt werden, wenn bestimmte Voraussetzungen (z.B. Baujahr) erfüllt sind.

 

DIN EN ISO 50001 / ISO 50006 / ISO 50015

Diese Normen setzen Energiekennzahlen (EnPIs) wie den Energieverbrauchskennwert als Instrument für das Energiemanagementsystem voraus.

 

EU-Energieeffizienzrichtlinie (EED)

Größere Unternehmen müssen ihren Energieverbrauch regelmäßig analysieren und dokumentieren. Der Energieverbrauchskennwert ist dabei ein zentrales Werkzeug.

 

Grenzen des Energieverbrauchskennwerts

Der Kennwert liefert keine isolierte Aussage über die bauphysikalische Qualität des Gebäudes. Einflussgrößen wie:

 

  • Nutzerverhalten (Fenster, Heizung, Technik)
  • Belegung und Nutzungszeiten
  • Klimatische Bedingungen
  • Prozesswärme in Produktionsbetrieben

 

... verfälschen die Vergleichbarkeit. Deshalb sollten Verbrauchswerte klimabereinigt (Gradtagzahlen) und auf das Nutzungsprofil bezogen betrachtet werden.

 

Verbesserungspotenziale erkennen

Vergleichswerte und Benchmarks zeigen Abweichungen vom Standard. Ein hoher Energieverbrauchskennwert weist auf Optimierungspotenziale hin:

 

  • Technische Anlagen (Heizung, Lüftung, Kälte, Beleuchtung)
  • Steuerung / Regelung
  • Nutzerverhalten
  • Dämmstandard der Gebäudehülle

 

Beispiele für Maßnahmen:

 

  • LED-Beleuchtung, Bewegungsmelder
  • Optimierung der Heizungsregelung
  • Modernisierung der Anlagentechnik
  • Einsatz erneuerbarer Energien

 

Fazit: Ein praxisnaher Schlüssel zur Energieeffizienz

Der Energieverbrauchskennwert ist eine etablierte und praxisnahe Kennziffer für die Beurteilung der Energieeffizienz von Bestandsgebäuden, insbesondere im Bereich Nichtwohngebäude. Er bildet eine wichtige Grundlage für Monitoring, Energiemanagement und Entscheidungsprozesse im Facility Management.

 

Zusammen mit weiteren Kennwerten und Klimabereinigungen liefert er eine belastbare Basis für Maßnahmen zur Energieeinsparung, für die Zieldefinition im Nachhaltigkeitsmanagement und für Nachweise gegenüber Behörden und Förderstellen.

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